Jahrestreffen 2009 Hemerocallis Europa e.V. in Berlin

Taglilien und Kuchen

oder wie Suppe, Kaffee und Kuchen von Gartenbesuchen unterbrochen wurden


Auch in diesem Jahr trafen sich Taglilienfans von Hemerocallis Europa (HE) und der Fachgruppe Hemerocallis der GdS (= Gesellschaft der Staudenfreunde) - diesmal in der Nähe von Berlin. Für mich als Neuling bei HE war dies das erste Treffen dieser Art. Ich war natürlich gespannt und hatte auch Erwartungen an dieses Treffen. Zum einen wollte ich gerne wissen, ob die anderen auch so verrückt sind wie ich, und natürlich wollte ich neue Kontakte knüpfen und Erfahrungen austauschen.


Taglilienzucht Tamberg in Falkenrehde

Auf die Bewertungsübung war ich schon besonders gespannt. Mein erster Bewertungsversuch ohne detaillierte Anleitung war dann auch ziemlich daneben. Wenigstens ging es mir nicht allein so. Es ist eben schwierig den eigenen Geschmack auszuschalten und objektiv zu bewerten. Die Erläuterungen von Hagen Engelmann und Tomas Tamberg machten die Bewertungsrichtlinien klarer. Allerdings sehe ich jetzt einige meiner eigenen Sämlinge schon in Gedanken auf dem Kompost. Offen blieb jedoch, wie moderne Taglilien mit ausgeprägten Merkmalen, wie starker Rüschung, ungewöhnlichen Farbmustern, Zähnung, Carving usw., die mittlerweile auch in Europa aufgrund der Schönheit der Einzelblüte sehr beliebt sind, zu guten Bewertungen kommen sollen - auch wenn sie nicht optimale Farbreinheit oder gutes Wuchsverhalten zeigen.
Nach der Ankunft im Gutshof Havelland gingen wir gleich in den Garten der Tambergs in Falkenrehde. Hier konnte man sich nach der mehr oder weniger langen Anreise erst einmal mit Kaffee und Kuchen stärken. Der erste Eindruck war etwas überraschend: es handelte sich um einen schönen eingewachsenen Garten, jedoch gestaltet mit nur wenigen Taglilien. Sein Geheimnis gab der Garten erst nach einem kurzen Spaziergang preis. Im hinteren Teil befand sich eine wohl strukturierte Anlage mit Taglilien-Schau- und Zuchtbeeten, die bestens etikettiert waren. Hier kann man vom Meister lernen.


Christina Tamberg


Yesterday, Today and Tomorrow
Am Abend versammelten wir uns zum gemeinsamen Essen im Hotel. Leider hatte seit dem Zeitpunkt der Reservierung das Personal gewechselt. Das aktuelle Personal war mit dem Bestellen der Getränke und dem Servieren des Essens überfordert - sehr zum Leidwesen von Frau Tamberg, denn sie hatte das Hotel anders in Erinnerung.
Tamberg-Garten in Berlin-Lichterfelde

Samstag früh fuhren wir pünktlich mit dem Bus zum Garten Tamberg in Berlin-Lichterfelde. Es präsentierte sich ein schön eingewachsener, alter Garten mit ganz klarem Schwerpunkt: Taglilien. Niemand hatte es anders erwartet. Die Besitzer verstehen es jedoch mit anderen Stauden und Gehölzen in ihrem Garten Akzente zu setzen. Wie schon im Züchtergarten in Falkenrehde war auch in diesem Garten die Etikettierung professionell und aufwändig. Und natürlich gab es auch hier etwas zu essen.

Interessant war zu beobachten wie die Teilnehmer mit ihren Digitalkameras auf die Jagd gingen. Zuerst wurden die Blüten auf den elektronischen Speicher gebannt. Dann wurden die Etiketten abfotografiert oder die Namen der Sorten in die Kamera gemurmelt. Mir ist schon öfter aufgefallen, dass Taglilienfreunde keine Berührungsängste mit neuen Medien haben. Viele haben eigene Homepages und E-mail-Adressen, und die technischen Möglichkeiten moderner Digitalkameras werden voll ausgereizt. Taglilien halten fit!


Garten Gurdon in Werneuchen

Gudrun Tillmann-Budde

Wiederum pünktlich fuhren wir zum Garten von Franz Gurdon in Werneuchen ab. Wir kamen jedoch etwas verspätet an, denn die Busfahrt dauerte etwas länger als der Online-Routenplaner es angezeigt hatte. Der Siedlerverein Rudolfshöhe bereite uns eine Suppe aus der Gulaschkanone - zeitsparend und sehr gut. Der Garten von Franz Gurdon war sehr gepflegt und klar von Taglilien dominiert. Er bot ein breites Spektrum von alten und neuen Tagliliensorten. Aufgrund der guten Beschilderung konnten wir jede Taglilie identifizieren. Die neuesten Sämlinge befanden sich eingetopft unter Glas. Einige ganz neue Tagliliensorten aus den USA standen geschützt im Gewächshaus. Dies scheint sich bewähren, denn die Blüten waren trotz des nicht optimalen Wetters hervorragend aufgegangen und die Blütenstiele zierten kräftige Samenkapseln. Auch die Möglichkeit Taglilien einzukaufen wurde rege genutzt. Herr Gurdon nahm an diesem Tag auch ausnahmsweise Bestellungen entgegen. Viele nahmen sich ein schönes Exemplar ihrer Wahl mit oder gaben eine Bestellung auf. Nur die schönen Sämlinge waren leider unveräußerlich. Auf dem Rückweg zum Bus gab es wieder Kaffee und Kuchen.

Zurück im Gutshof erwartete uns ein weiteres Highlight des Tages. Die Pflanzenversteigerung mit vornehmlich neueren Sorten und Sorten europäischer Züchter fand großen Anklang. Beträge von bis zu €60 wurden geboten. Selbst der Auktionator konnte hin und wieder nicht widerstehen. Gerd Oellermann hat kräftig mitgeboten, um möglichst viel Geld in die Kassen der Vereine zu spülen, und erstand somit auch ein paar Exemplare. Ob er sie auch wirklich alle gewollt hat, das müssen Sie ihn selbst fragen.


Taglilienversteigerung im Gutshof Havelland

Am nächsten Tag ging es mit dem eigenen PKW nach Golm zum Hosta-Garten Kraatz. Auf dem weitläufigen Grundstück verwirklicht der Eigentümer ständig neue Gartenideen. Da die Zeit aber immer nur zur Pflege des jüngst angelegten Areals reicht, bleiben ältere Gartenpartien sich selbst überlassen und verwildern wieder, so etwa der Bereich um den Teich. Derzeit gilt das Hauptinteresse dem Sammeln und Präsentieren einer Unzahl von Hostas verschiedener Größen und Blattfarben auf terrassierten Beeten im Schatten von Groß- und und Kleingehölzen sowie in einer eigens gebauten Beschattungshalle. Die Taglilien traten hier etwas in den Hintergrund des Interesses, und viele nutzten die Gelegenheit ein schönes Hosta-Exemplar zu erstehen.
Nach der kurzweiligen und spannenden Versteigerung hieß es am abendlichen Büfett schnell sein. Denn bald waren die warmen Speisen leer und auch keine Nachspeisen mehr da. Es folgte die jährliche Mitgliederversammlung (Protokoll der HE-Versammlung an anderer Stelle), und nachdem einige Schwierigkeiten im Zusammenspiel von Beamer und diversen Laptops beseitigt waren, durften wir noch ein paar Bild-Vorträge genießen. Harald Juhr beeindruckte mit einigen seiner viel versprechenden und attraktiven Sämlingen. Jamie Vande präsentierte ein paar tolle neue Spider aus eigener Züchtung. Karl Rupp stellte das Taglilienrondell im Park der Gärten (Bad Zwischenahn) vor, das die Internationale Amerikanische Hemerocallis Gesellschaft (AHS) als AHS Display Garden, das heißt Internationaler AHS Schaugarten für Taglilien, ausgezeichnet hat.


Hosta-Garten Kraatz in Golm


Rosengarten der Lüdkes



Leider war mit dem anschließenden Besuch des Taglilien-Zuchtgartens der Familie Lüdke das Programm auch schon zu Ende. Ich persönlich habe die Tage sehr genossen. Das lockere und sehr interessante Besuchsprogramm hat die Tage zu einem entschleunigten Wochenende gemacht. Mein persönliches Ziel für diese Tagung habe ich voll erreicht. Ich habe viele neue und nette Taglilienfreunde kennen gelernt. Einige sind fast so verrückt wie ich. Zeit für persönliche Gespräche und den Austausch von Informationen und Tipps war reichlich gegeben. Die Organisation durch die Tambergs war mehr als perfekt. Frau Tamberg zog im Hintergrund alle Fäden, wirkte immer ruhig und gelassen und machte stets den Eindruck alles im Griff zu haben. Vielen Dank!

Dr. Manfred Kotzian
Weiter ging es im eigenen PKW zum Garten Lüdke in Berlin-Spandau. Wer der Wegbeschreibung nicht punktgenau folgte, hatte entweder keine Chance dort hin zu finden oder bekam Streit mit dem Beifahrer. Der Weg führte am Ende idyllisch über Kopfsteinpflaster durch den malerischen Spreewald. Das Grundstück ist Teil einer ehemaligen Kleingartenanlage, und der Rasen auf dem Parkplatz davor war so gut gepflegt wie ein Golfrasen. Ich wagte es nicht dort zu parken.

Uns empfing ein außerordentlich gepflegter und perfekt gegliederter Garten mit unterschiedlichen Themenbereichen. Der mit Buchs eingefasste Rosengarten verzauberte mit einer üppigen Blüte. Der Wassergarten im japanischen Stil lud zum Verweilen und Träumen ein. Gut dass es auch hier wieder reichlich zu Essen und Trinken gab. Beim Bienenstich konnte ich einem weiteren Stück nicht widerstehen.


Japanischer Garten der Familie Lüdke